Bye bye love…

Die Liebe geht, aber das Lachen bleibt

„War das jetzt schon Sex?“ oder „Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut“ stammen von Stefan Schwarz, einem begnadeten Wortkünstler, der sich als Kolumnist der Kulturzeitschrift DAS MAGAZIN austoben darf. Er ist aber auch in der Belletristik unterwegs: „Hüftkreisen mit Nancy“, „Die Großrussin“ oder (ganz großartig für pupertätsgeplagte Eltern) „Das wird jetzt ein bisschen wehtun“.

Für mich ist es der Himmel auf Erden: ein neues Buch von Stefan Schwarz, ein lauer Sommerabend auf dem Balkon, ein Gin Tonic auf Eis und hin und wieder liest man Passagen aus dem Buch laut vor. Allerdings blieb mir dabei manchmal das Lachen im Hals stecken – eine tragikomische Beziehungs- und Sorgerechtsgeschichte. Da, wo Schnulzen enden, beginnt der Roman: Der leicht verpeilte, erfolglose Schauspieler Jannek Blume trifft seine (vermeintliche) Traumfrau. Die Ereignisse überschlagen sich: Schwangerschaft, Heirat, gemeinsame Wohnung. Dann beginnt der Irrsinn. Die beiden passen überhaupt nicht zusammen. Bereits die Vorstellung bei den Schwiegereltern verläuft nicht sehr glücklich.

„Sie wären dann also der Herr Blume!“ Es klang wie eine vorläufige Verabredung, als wäre ich erst einmal provisorisch zum Herrn Blume bestimmt worden, müsse aber damit rechnen, unter veränderten Umständen auch sehr schnell nicht mehr der Herr Blume zu sein. (…) „Tja“, lachte ich herzlich, „wo die Liebe hinfällt.“ Professor Langpapp lachte nicht mit. Er lachte so sehr nicht mit, dass ich das Gefühl hatte, in ganz Hamburg würde jetzt auf der Stelle jedes Lachen eingestellt.

Jannek Blume hat auf jeden Fall nichts mehr zu lachen. Er kämpft nicht nur um das Sorgerecht seines Sohnes, sondern auch darum, wer Timmis Milchzähne aufbewahren darf.

„Würdest du ihn mir bitte aushändigen?“, fragt Larissa. „Geh doch nach Karlsruhe! Ich warte gern die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ab. Vielleicht muss auch die Menschenrechts-Charta um einen Milchzahn-Passus erweitert werden.“

Ganz mein Humor. Allein dafür lohnt sich das Buch. Neueinsteigern empfehle ich, lieber mit seinen Kolumnen zu beginnen.

oberkanteunterlippe
22. Juli 2016, Rowohlt Berlin, 304 Seiten
Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s