Ich sehe rot, äh, blau…

Das Debüt von Isabel Bogdan erschien bereits im Februar, gelesen habe ich es aber erst im Sommerurlaub in Dänemark. Für mich ein wunderbarer Kontrast: ein schottischer Landsitz, der im Schnee versinkt und ich im Bikini vor tosenden Nordseewellen. Außerdem war es das erste Urlaubsbuch eines großen Stapels, den ich mitgeschleppt hatte. Zum Glück habe ich vorher keine der zahlreichen Rezensionen gelesen, sonst hätte ich das Buch vermutlich nicht gekauft. Sowohl Cover als auch Titel haben mir auf Anhieb gefallen. Darum habe ich den Pfau spontan in der Buchhandlung meines Herzens mitgenommen.

Ich erfahre: Adel verpflichtet, ist aber kostspielig.

„Der Lord witzelte manchmal, er könne auch gleich versuchen, das Haus mit Geldscheinen zu isolieren. Der Lord war Altphilologe und verstand nicht viel vom Hausbau. Die Lady war Ingenieurin und verstand etwas mehr davon, auch wenn sie in einem Windkraftunternehmen arbeitete. Beide beherrschten die Grundrechenarten. Sie waren nicht arm, zum Leben reichte es gut, aber nicht für eine Grundsanierung des alten Anwesens.“    

So versuchen Lord und Lady McIntosh dem Verfall ihres Landsitzes zu trotzen, indem sie Teile davon vermieten. Eine Gruppe Banker nutzt das Cottage, um ein paar Tage Teambuilding zu betreiben. Ich gebe zu, Setting und Personen sind relativ harmlos, wäre da nicht dieser Pfau, der ganz und gar nicht harmlos ist: Er sieht rot, wenn er blau sieht. Alles, was geschieht, um die Eskapaden des Pfaus zu verschleiern, geschieht in bester Absicht und soll dem Frieden dienen, bewirkt aber das Gegenteil. Eine Art Schneeballeffekt wird in Gang gesetzt – kleine Ursache, große Wirkung. Es sind weniger die Taten als die Unterlassungen, die die Story vorantreiben und am Ende zu einem großen Durcheinander führen. Der ganz große Paukenschlag bleibt zwar aus, aber die zurückhaltende Art des Erzählens, der Hauch Ironie, der feine trockene Humor haben mich gut unterhalten.

Übrigens: Isabel Bogdan schreibt seit vielen Jahren einen Blog: Is a blog

pfau
18. Februar 2016, Kiepenheuer&Witsch, 256 Seiten

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