Im Labyrinth des Carlos Ruiz Zafón

Eine Geschichte wie ein Labyrinth, in dem man sich verlaufen kann. Das Labyrinth der Lichter ist der letzte Band der Romantetralogie von Carlos Ruiz Zafón. Der erste Teil, Der Schatten des Windes, wurde 2003 in deutscher Sprache veröffentlicht. Und obwohl ich das Buch gelesen habe, ist es mittlerweile so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnere. Zum Glück funktioniert die Geschichte auch einzeln, heißt: Man kann jeden Teil der Geschichte für sich nehmen und lesen. Die vier Bücher handeln – im weitesten Sinne – von der Buchhändlerfamilie Sempere in Barcelona und dem „Friedhof der vergessenen Bücher“, einem Ort wie eine geheimnisvolle Kathedrale, in die nur Eingeweihte Zutritt haben und sich die Bücher bis unter die Decke stapeln.

„Die Erinnerungen, die man im Schweigen begräbt, sind die, die einen unaufhörlich verfolgen. Die meine besteht in einem Raum mit unendlich hohen Decken und einem Hauch ockerfarbenen Lichts von einer herabhängenden Lampe, das die Umrisse eines Bettes erahnen ließ, auf dem ein erst siebzehn Jahre altes Mädchen mit einem Kind in den Armen lag.“

Zafón macht es sich zur Aufgabe, in seinen Geschichten das Leben seiner Helden mit dem eines verschollenen Buches und des dazugehörigen Autors zu verweben. Der Kontext, in dem seine Figuren agieren, sind die Jahrzehnte der Franco-Diktatur und den dunklen Auswüchsen in den Folterkellern der Geheimpolizei. So wird Alicia Gris, selbst eine Versehrte aus dem Bürgerkrieg und vermeintliche Marionette der Geheimpolizei, zur Akteurin in einem Plot um das Verschwinden eines Franco-Ministers, das sie aufklären soll. In seinem Schreibtisch stößt sie auf das verschollene Buch „Ariadna und der Scharlachprinz“ von Víctor Mataix, das sie zur Buchhändler Familie Sempere führt. Tausend Geheimnisse und Verwicklungen werden nach dem Muster einer Kriminalgeschichte locker miteinander verwoben – und immer wieder tauchen darin die geheimnisvollen (und wenig greifbaren) Schriftsteller Julián Carax, Víctor Mataix und David Martin auf. Diese drei auseinanderzuhalten ist eine echte Herausforderung! Darüber hinaus machte mir auch Zafóns Sprache zu schaffen: Ein Balanceakt zwischen Poesie und Schwülstigkeit.

Mein Fazit: Ein Roman wie ein Labyrinth – man muss nur aufpassen, dass man sich darin nicht verläuft.

 

Carlos Ruiz Zafón: Das Labyrinth der Lichter, Verlag S. Fischer, März 2017, 937 Seiten.

 

 

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