Willkommen im Club

Takis Würger ist Journalist und seit neuestem Bestsellerautor. Mit seinem Debüt Der Club hat er es geschafft, gelesen und von vielen namhaften Rezensenten beachtet zu werden. Dabei sind sich alle irgendwie einig, dass seine Geschichte den Leser in den Bann zieht – und das, obwohl seine Sprache (allzu) glatt und (wunderbar) schnörkellos ist. Seinen Figuren fehle die Tiefe, bemängeln manche, und David Hugendick (Die ZEIT) bezeichnet sie sogar als „Playmobilmännchen mit Eigenheiten, aber ohne Eigenschaften“.

Trotzdem konnte ich die Geschichte nicht aus der Hand legen. Die Fäden werden von Takis Würger gekonnt ausgelegt. Und auch wenn nicht alles auserzählt wird, bringt das ja die eigene Phantasie auf Touren. Im Mittelpunkt steht Hans. Er hat seinen Vater durch einen Unfall und seine Mutter durch eine Krankheit verloren und kommt nach dem Tod der Eltern in ein Jesuiteninternat. Dort hilft ihm seine Leidenschaft zum Boxen dabei erwachsen zu werden. Im ersten Viertel des Buches ist nicht klar, welche Richtung die Erzählung einschlagen wird. Dann aber erhält Hans von seiner Tante Alex ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann: ein Stipendium an der Universität in Cambridge. Als Gegenleistung soll er für sie den elitären Pitt Club ausspionieren. In Cambridge trifft Hans auf Charlotte, Tochter aus gutem Hause, die ein Geheimnis mit sich herumträgt und der er sich – ohne genau zu wissen warum – innerlich verbunden fühlt. Über ihre Kontakte und seine eigenen Erfolge im Boxring gelingt es Hans, in den Club aufgenommen zu werden. Erst langsam wird ihm klar, auf was er sich da eigentlich eingelassen hat. Die Initiationsriten des Clubs sind alles andere als harmlos…

„In Cambridge habe ich gelernt, wie viel Großes der Mensch leisten kann: Er kann die Grundlagen der formalen Logik entwickeln, die Geschwindigkeit des Lichts errechnen und ein Medikament gegen Malaria finden. Aber in Cambridge habe ich auch gelernt, was der Mensch in seinem Kern ist: ein Raubtier.“

Inmitten von tausendseitigen Bestsellern, die momentan den Büchermarkt beherrschen, finde ich es wohltuend, dass Qualität nicht zwangsläufig mit Quantität einhergeht. Für mich war Der Club ein gutes und kurzweiliges Lesevergnügen. Bitte mehr davon!

Takis Würger: Der Club, Kein & Aber, 238 Seiten, Februar 2017.

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