Die Frauen schlagen zurück

„I grab her by the pussy (Donald Trump, 2005)“ – Wir leben in einer Welt, in der sich der Präsident der USA mit frauenfeindlichen Sprüchen brüstet. Frauen sehen sich wieder herausgefordert, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen. Und über Amerikas Grenzen hinweg stecken wir gerade in der ≠MeToo – Debatte. Das sind prominente Beispiele, die zeigen, dass Stephen King und sein Sohn Owen mit ihrem gemeinsamen Werk Sleeping Beauties einen Nerv getroffen haben: Die Frauen holen aus zum Gegenschlag.

In nur wenigen Tagen wird der größte Teil der weiblichen Weltbevölkerung von einer mysteriösen Schlafkrankheit befallen. Die Frauen schlafen ein, werden in weiße Kokons versponnen, in denen ihre Lebenserhaltung intakt bleibt. Weckt man sie aus diesem Schlaf gewaltsam auf, rächen sie sich auf bestialische Weise: Sie töten diejenigen, die sie aus ihrer Ruhe gerissen haben.

Während die Männer ihrer Trauer um ihre Frauen und Töchter, aber auch ihren Aggressionen überlassen sind, finden sich die schlafenden Frauen in einer Parallelwelt wieder. Dort haben sie die Chance, sich ein neues Leben aufzubauen. Auslöser dieser Pandemie ist Eva – Evie – eine Art Urmutter, Erdmutter, Göttin, Hexe, Gesandte… Sie stellt die Welt am Beispiel der amerikanischen Kleinstadt Dooling auf die Probe: Gelingt es den Männern von Dooling, Eva zu töten, weil sie sie für die Katastrophe verantwortlich machen, ist die Welt, so wie sie war, verloren. Sollte Eva überleben und der Gefängnispsychiater Clint die Männer von ihrem blinden Zorn abbringen können, erhalten die Frauen die Wahl, aus ihrer neuen Welt nach Dooling zurückzukehren – oder eben nicht.

„Mich interessiert, die Vorstellung, die Sie über uns beide haben“, sagte Clint (zu Eva). „Dass sie das Urbild der Frau sind und ich des Mannes. Symbolische Gestalten. Archetypen. Yin und Yang. Der König auf der einen Seite des Schachbretts, die Dame auf der anderen.“ – „Aber nein“, sagte sie lächelnd. „Wir stehen auf derselben Seite, Clint.“

Was zu beweisen wäre…

Die Geschichte ist versponnen wie der Kokon, der sich in feinen Fäden um die Frauenkörper legt:  sehr viele Personen und Handlungsstränge, die die tausendseitige Lektüre anstrengend machen. Und auch wenn sich die Autoren Mühe geben, Starke und Schwache, Gute und Böse, Opfer und Täter, Schuld und Reue gleichmäßig über die Geschlechter zu verteilen, triften sie in Stereotypen ab.

Trotzdem hat mir der Plot an sich gefallen. Als die Frauen in Sleeping Beauties sich in der Parallelwelt befinden, sinnieren sie darüber, was diese neue Welt für sie für Vorzüge hätte: „Ach, die Welt hier war so viel besser als die alte, wo die Männer das Sagen hatten!“ Wie wahr! Denn in unserer Welt wacht man morgens auf und Donald Trump ist immer noch Präsident…

Stephen und Owen Kind: Sleeping Beauties, Random House, November 2017.

Mehr zu Sleeping Beauties.

Ich lese immer gerne mehrere Rezensionen – aber immer erst, nachdem ich mir eine Meinung gebildet habe. Hier geht`s zur ZEIT.

Über das kuriose Verhältnis zwischen Stephen King und Donald Trump bietet die WELT eine knappe Zusammenfassung…

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