Gartengott oder Gartenversager?

Gestern bin ich an einem Schrebergarten vorbeigelaufen, an dessen Gartentür ein Schild mit der Aufschrift: Gartengott. Neugierig spähte ich über den Zaun. Akkurate Beete, englischer Rasen, die üblichen Blumenrabatten, Klappstühle, eine gehisste Fahne. Gott bewohnt eine übersichtliche Parzelle, denke ich. So ein Garten braucht eine Menge Pflege. Bei mir welken bereits Kräutertöpfe und Margaritenbäumchen nach wenigen Tagen. Entweder ich gieße zu viel oder ich ich vergesse es ganz.

In diesem Frühling habe ich mir einen Schneeball (!!!) im Topf gekauft und gedacht, ich kriege das hin: eine Pflanze, die ein kleines Bäumchen werden will, in einem Kübel zu halten. Ich habe sie heute auf dem Kompost entsorgt, das Ziergehölz. Myriaden von Blattläusen hatten sich auf ihren schwachen Ästlein breitgemacht. Als mir die neuen Kolumnen von Stefan Schwarz in die Hönde fielen, dachte ich sofort: Bingo! Ein Buch, das mir aus dem Herzen spricht: Der kleine Gartenversager. Vom Glück und Scheitern im Grünen. Bei mir war es mehr Scheitern, aber egal.

Bereits das zweite Kapitel traf es für mich auf den Punkt: Zucchini sind eine Plage. Aber sie sind auch das einzige Gemüse, das ich je in einem Garten, der von mir betreut wurde, ernten konnte (und auch das liegt Jahre zurück). Wer hat sich das ausgedacht? Diese Monsterpflanze ohne eigenen Geschmack? Der Gartengott? Stefan Schwarz dazu:

„Jetzt also Zucchini. Der Plastikteller unter den Essgeschirren. Das Gemüse, mit dem man nichts falsch machen kann.“

„Zucchini sind das Gemüse, das beigegeben wird, wenn die Edelgemüse gerade alle sind, aber der Teller noch irgendetwas Grünes braucht.“

„Um einigermaßen essbare Zucchini zu ernten, muss man quasi daneben stehen bleiben. Sie sind eben noch zu klein, und wenn man sich einmal umdreht, schon wieder zu groß. Es ist nicht so sehr ein Ernten, eher ein Haschen und Zupacken, bevor die sich unaufhaltsam blähende Zucchini aus der Erntereife entwischt. Sie nicht zu ernten, ist allerdings auch keine Option, wie wir jetzt erfahren. Nach anderthalb Wochen schieben sich dunkelgrüne oberschenkelgroße Torpedos aus dem Blattwerk. (…) Noch mal anderthalb Wochen später versperren Dutzende Zucchini in Fliegerbombenformat wichtige Gartenwege.“

Ich habe mich ja hier schon mehrfach als Fan von Stefan Schwarz geoutet. Und ich tue es wieder: ganz mein Humor. Eigentlich ist es auch ein schönes Format zum Verschenken, wenn da nicht der Titel wäre: Gartenversager. Gartengötter fühlen sich vielleicht angegriffen, wenn ihnen jemand ein solches Buch schenkt. Ich kenne das Scheitern und habe herzhaft gelacht – dabei besitze ich noch nicht einmal einen Garten!

Stefan Schwarz: Der kleine Gartenversager. Vom Glück und Scheitern im Grünen, Aufbau-Verlag, 175 Seiten.

Stefan Schwarz und Horst Evers in der MDR-Spasszone

 

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