All das zu verlieren

… ist Leïla Slimanis Debütroman. Er erschien 2014 und wurde nun – nachdem ihr Roman Dann Schlaf auch du über eine mordende Nanny ein Bestseller wurde und ihr den begehrtesten französischen Literaturpreis eingebracht hat, ins Deutsche übersetzt. Ich habe All das zu verlieren gekauft, weil ich Leïla Slimani also bereits kannte. Das ist für die Geschichte natürlich völlig unerheblich. Aber ich bin froh, dass ich zugegriffen habe, ohne vorher etwas über das Buch zu wissen – und ich ärgere mich, dass ich dann doch ein paar Zusammenfassungen und Buchrezensionen gelesen habe, bevor ich das Buch beendet hatte. Warum?

Weil mich der Inhalt überrascht hat – und ich mich überraschen konnte. Hätte ich vorher die Beschreibungen allzu genau studiert, wäre nicht nur das Thema, sondern auch der Verlauf bereits klar gewesen. Daher möchte ich hier einfach nur Lust darauf machen, den Roman zu lesen, ohne dass ich allzu viel darüber verrate.

Adèle lebt in Paris. Verheiratet ist sie mit Richard. Sie haben einen dreijährigen Sohn, Lucien. Adèle arbeitet als Journalistin, ihr Mann ist Arzt in einem Krankenhaus. Sie führen ein privilegiertes, gutbürgerliches Leben. Doch Adèle ist auf eine schwer zu fassende Art unglücklich, unzufrieden und gleichzeitig antriebslos. Ihre einzige Energie steckt sie in ihre Sexabenteuer und deren Vertuschung. Sie führt ein beispielloses Doppelleben. Wenn sie auffliegt, droht sie alles zu verlieren… (Vorsicht: Viele Rezensionen erzöhlen genau an der Stelle weiter…)

Mein Fazit:

Die Aura aus Leere, Einsamkeit, Erschöpfung und unerfüllter Sehnsucht, die Adèle anhaftet, spricht mich mehr an als die Hauptfigur selbst. Adèle bleibt mir fremd. Sie bleibt distanziert – zu mir als Leserin genauso wie sie zu den Personen, denen sie begegnet, keine rechte Beziehung aufbauen kann. Von daher spiegelt sich ihr „Problem“ in meinem Verhältnis zur Protagonistin. Ich persönlich fand das sehr gut – gibt es ein Gesetz, das Leser verpflichtet, Sympathie für die Hauptfiguren zu entwickeln?

Dass mir Adèle nicht wirklich ans Herz gewachsen ist, liegt einerseits an ihrer Art zu leiden, anstatt etwas zu verändern, aber andererseits schlichtweg an der Art, wie hier erzählt wird: in einem kühlen und sachlichen Ton. Leïla Slimanis Sprache wirkt manchmal hart (fast grausam) und kommt ohne Schnörkel aus. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund (gut so!). Und trotz der omnipräsenten Sexsucht wirkt es nie platt, schlüpfrig oder voyeuristisch.

 

Alles zu verlieren bei Random House

Julia Friese beklagt sich über die Langeweile und Eintönigkeit des Romans und fragt, warum Adele nicht handelt…

Weibliches Objekt inmitten der männlichen Meute: Buchbesprechung im Deutschlandfunk

Mara Delius in der Welt online über All das zu verlieren

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