Schlafen in Krisenzeiten

Schlaft Ihr noch gut? – – Ich muss zugeben, dass ich in diesen Tagen, in denen jeden Abend Spezialsendungen zur Corona-Krise gesendet werden, schlecht schlafe. Nicht jede Nacht, aber viel zu oft beschäftigen mich die Bilder aus Italien und Spanien noch lange, nachdem ich das Fernsehen ausgemacht habe.

Die Geschichte „Schlaf“ von Haruki Murakami habe ich bereits vor einiger Zeit gelesen, aber gerade wieder neu zur Hand genommen – über andere seiner Stories habe ich in der Vergangenheit hier schon berichtet, auch darüber dass ich die Auskopplung einzelner Geschichten aus seinen Erzählbänden nicht gut finde… Na ja, geschenkt. Der Blick auf die künstlerische Ausgestaltung durch Kat Menschik rechtfertigt die Neuausgabe – und den Preis. Übrigens finde ich die Schwarz-Weiß-Silber-Zeichnungen wieder einmal wunderbar gelungen (großer Kat Menschik Fan!!!).

Worum geht es?

Es geht um eine Frau, die nicht mehr schläft. „Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf.“ Sie leidet nicht nur unter Einschlafproblemen. Die Frau ist Tag und Nacht wach. Dafür gibt es keine erkennbaren äußeren Gründe. Die Frau ist gesund und führt ein Mittelschichtleben als Hausfrau und Mutter. Ihr Mann ist Zahnarzt. „Ja, ich glaube, ich liebe ihn. Aber ehrlich gesagt, besonders „gefallen“ tut er mir nicht.“ Das ist nur ein Satz, der, wie ich finde so typisch Murakami ist: so skurrile Beobachtungen und Details. Der Mann wird als „häßlich“ beschrieben. „Warum habe ich bloß einen Mann mit einem so sonderbaren Gesicht geheiratet?“ Ihr Mann „läuft wie ein Uhrwerk“ – und sie passt sich ihm an. Ihre Tage folgen einem festen Rhythmus. Sie umsorgt ihren Ehemann und den Sohn, die beiden verlassen das Haus, sie geht einkaufen, putzt, kocht, spielt Tennis, die beiden kommen wieder. Die Tage verlaufen gleichförmig. … Als sie nicht mehr schlafen kann, beginnt sie, ihre Zeit neu, also ganz anders zu füllen. Sie macht Dinge, die sie sich lange nicht gegönnt hat. Sie liest. „Krieg und Frieden“ macht den Anfang. Es ist ihr kaum mehr möglich, das Buch aus der Hand zu legen, so fasziniert ist sie. Zum Lesen isst sie Süßes und trinkt Cognac –  beides hat sie sich sonst versagt. Sie schlägt bald in allem über die Strenge. Sie liest noch mehr. Sie trinkt noch mehr. Sie isst noch mehr Schokolade. Und sie tut das alles heimlich. Während sie weiterhin vor ihrer Familie die Fassade der Mutter und Ehefrau aufrechterhält, lebt sie doch eigentlich für die Stunden, die sie für sich allein hat, vor allem in der Nacht … und sie verspürt keinen Anflug von Müdigkeit.

Von mir eine klare Leseempfehlung. (Das Ende fand ich „doof“, ich hätte mir tausend Sachen für den Schluss vorstellen können, vielleicht etwas diabolischer, darum war ich fast etwas enttäuscht…)

Wenn ich schlecht oder zu wenig geschlafen habe, geht es mir (leider?) nicht wie Murakamis Protagonistin: Ich bin dann müde und zu nichts zu gebrauchen. Fehlt er mir, vermisse ich den Schlaf schmerzlich. Liege ich Bett, kann es passieren, dass aus todemüde, schlaflos wird, weil ich das innere Gedankenkarrussel nicht abschalten kann. Wenn man dann auch noch ständig neue Horrornachrichten über die Corona-Ausbreitung hört … kein Wunder!

Meine persönliche Schlafhygiene – vor der Krise schon praktiziert – und jetzt in der Bewährungsprobe:

– ich habe den Fernseher aus dem Schlafzimmer verbannt

– wenn ich tagsüber lese, tue ich das nicht im Schlafzimmer

– die Temperatur ist im Schlafzimmer etwas niedriger als in den anderen Räumen (war vorher gleich)

– ich gehe erst ins Bett, wenn ich WIRKLICH müde bin

– wenn ich gar nicht schlafen kann, stehe ich auf (heiße Milch mit Honig? Bei mir hilft’s…)

– ich mache Autogenes Training (habe ich als Audio auf dem Handy – Nachteil: Handy und Computer möchte ich nicht beim Schlafen am Bett haben)

… und was mich persönlich auch immer „runterfährt“: den Hund kraulen (sorry!).

Haruki Murakami, Schlaf, Dumont Verlag, 80 Seiten, 20 Abbildungen.

FAZ Rezension

Der Verlust der Müdigkeit, Deutschlandfunk.

Tipps zur Schlafhygiene.

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