Fäler, nix als Fäler!

Im Märchen Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen glaubt der Kaiser, er trage Kleider, die ihm auf den Leib geschneidert wurden und aus besonders erlesenen Stoffen gearbeitet sind. In Wahrheit aber ist er nackt. Niemand traut sich, die Wahrheit zu sagen. Alle geben sich entzückt: „Oh, wie schön!“ und  „Ah, wie hübsch!“ Das geht so lange, bis ein Kind ruft: „Aber er ist ja nackt!“

Genauso geht es mir mit diesem Buch. Hochgelobt und überall – wirklich überall! – empfohlen. Das Literarische Quartett, Denis Scheck, die Feuilletons überschlagen sich vor Lob. Ein literarischer Genuss soll es sein. Ein Kunstwerk. Der Autor mit Preisen überschüttet. Das mag sein, aber ich rufe: „Ich ertrage es nicht: Die Fehler in den Sätzen beleidigen meine Augen!“ Da kann die Geschichte dahinter – die schmale Fabel von 56 Seiten – noch so gut erdacht sein. Wenn ich keinen Satz lesen kann, ohne in jedem zweiten Wort über Fehler zu stolpern, kann und möchte ich es nicht lesen. Ich habe mich bemüht. Es geht nicht. Meine Kinder haben in der Grundschule das Schreiben nach Gehör gelernt – ein freies Schreiben, ohne Korrekturen. Klingt soweit gut. In den ersten Schuljahren entstanden so die ulkigsten Texte, die man nur lesen konnte, weil man mit dem Autor oder der Autorin verwandt war (Sorry, Kinder!). Die weiterführenden Schulen setzten dann aber gute Grundkenntnisse in Rechtschreibung voraus. Plötzlich wurden Diktate geschrieben – schwere Diktate! Und viele Worte werden eben nicht nach Gehör richtig geschrieben (Gehör? Je nach Region spricht man Worte anders aus, Konsonanten werden weich oder hart gesprochen, Vokale je nach Mundart und regionaler Klangfarbe lang oder kurz …) … Mein persönliches Fazit: Ich finde es besser, Kinder auf die Fehler hinzuweisen, sonst prägen sie sich die Wörter falsch ein. Außerdem sind sie sehr gefrustet, wenn dann irgendwann doch der Rotstift angesetzt wird. – – Sorry, für den kleinen Exkurs!!! Zurück zu Fuks 8: Hätte die Fuchs-Erzählung nicht auch in korrekter Rechtschreibung funktioniert? Mir fält hir leider das Härz für Fükse, die Mänschisch schreiben.

Die Verlagsbeschreibung hatte mich wirklich neugierig gemacht. Und das Beste: Sie ist für mich auf Anhieb verständlich!

Fuchs 8 war immer schon neugierig und ein bisschen anders als die anderen Füchse seiner Gruppe. So hat er die menschliche Sprache gelernt, weil er sich gern in den Büschen vor den Häusern versteckte und zuhörte, wenn die Menschen ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlasen. Die Macht der Worte und Geschichten befeuert seine Neugier auf diese Wesen, bis Gefahr am Horizont auftaucht: Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums zerstört den Wald, in dem die Füchse leben, und sie finden kaum noch Nahrung. Dem stets belächelten Tagträumer Fuchs 8 bleibt nur eines: Er beschließt, seine Fuchsfamilie zu retten, und macht sich auf den Weg zu den Menschen …

Bin ich die Blinde, deren Augen einfach nicht aufgehen wollen – angesichts dieses Meisterwerks? Vielleicht. Denn das, was gefällt, ist immer Geschmackssache. Und vielleicht habe ich jetzt ja einigen von Euch Lust auf Fuks 8 gemacht. Ich gebe mein Buch einfach weiter. Auch wenn es mir nicht zusagt, vielleicht mache ich anderen damit eine Freude.

Stattdessen habe ich einen Kinderbuchklassiker meiner Jugend mal wieder zur Hand genommen: Der Maulwurf Grabowski. Auch er verliert seine Bleibe, als die Bulldozer anrücken, um die Wiese, auf der er lebt, auszubaggern, um darauf Häuser zu bauen. Grabowski macht sich auf den Weg. Für ihn beginnt ein Abenteuer: traurig, schön, gefährlich …. und am Ende führt es ihn zu einer neuen saftig-grünen Wiese.

https://www.randomhouse.de/Buch/Fuchs-8/George-Saunders/Luchterhand-Literaturverlag/e559213.rhd

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