Düsteres Finale

Wie versprochen kommt nun noch der dritte Teil der Hulda Reige von Ragnar Jónasson. Für mich ist es der beste Band der Trilogie und ich bin etwas traurig, dass das Ende um die isländische Kommissarin Hulda Hermannsdóttir sein soll.

Ein einsames Bauernhaus im östlichsten Teil Islands ist der Schauplatz des dritten Falls, den die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir zu lösen hat. Einsam ist es an dem Ort, an dem ein Unglück passiert. Unwirtlich. Die raue isländische Landschaft macht es den Menschen nicht leicht, die das Land weiter bewirtschaften. Viele sind weggezogen. Direkte Nachbarn gibt es keine. Und in den dunklen Wintermonaten ist man oft gänzlich von der Außenwelt isoliert. Umso erstaunlicher ist es, als kurz vor Weihnachten ein Fremder bei Einar und Erla an die Tür klopfen. Sie nehmen den Gast auf. Aber Erla hat von Anfang an kein gutes Gefühl dabei. Als der Fremde nachts durchs Haus schleicht, beschließt Einar, ihn zur Rede zu stellen. Das Ungkück nimmt seinen Lauf.

Die Rahmenhandlung dreht sich – wie in den beiden Vorgängerromanen Insel (2) und Dunkel (1) auch – um Huldas Familiengeschichte. Ragnar Jónasson erzählt rückwärts, das bedeutet, im ersten Teil Dunkel steht Hulda kurz vor ihrer Pensionierung. Im letzten Teil ermittelt sie Ende der 1980ziger Jahre. Ihre Tochter Dimma lebt noch. Weihnachten steht bevor. Obwohl die Leserinnen udn Leser bereits wissen, welche Tragödie sich in Huldas Leben ereignen wird, bleibt die Erzählung spannend. Endlich erfährt man etwas mehr über die Umstände. Ragnar Jónasson bleibt sparsam mit Details, aber die düstere Stimmung, die Vorboten und vor allem Huldas Gefühle werden nicht nur sehr glaubwürdig und dicht beschrieben – sie tragen auch wieder durch die Geschichte.

Der Kriminalfall in „Nebel“ ist – wie ich finde – der interessanteste Fall und abgründigste zugleich. Der Fremde, der bei Einar und Erla Unterschlupf findet, und eine junge Frau die verschwunden ist. Wie die losen Fäden miteinander zusammenhängen wird erst spät deutlich. Es ist – und Hulda benutzt dieses Bild selbst auch – ein Puzzle, das sich erst langsam zusammensetzt. Und der Ausschnitt, der sich zunächst offenbart, erscheint in einem andere Licht, je mehr Puzzleteile hinzukommen. Nichts steht für sich. Alles hängt irgendwie zusammen. Und Hulda besitzt das untrügliche Gespür für diese verborgenen Zusammenhänge.

Es sind Familiendramen, die ihren Lauf nehmen. Hätte man sie verhindern können?

Das große Thema, die Klammer um beide Geschichten, die von Hulda und die ihres Kriminalfalles, drehen sich um Schuld und Sühne, um Rache und Wiedergutmachung. Eine wirkliche Wiedergutmachung gibt es nicht. Der Tod ist endgültig. Und eine Erlösung bleibt aus. Der isländische Winter bietet eine hervorragende Kulisse für das Drama, das Ragnar Jónasson kleinteilig, qualvoll genau nachzeichnet.

Es gibt viele Sätze, die ich mir angestrichen hätte, hätte ich Nebel nicht als Hörbuch gehört (wunderbar gelesen von Katja Bürkle. Ein paar Sätze habe ich mir trotzdem gemerkt. Zum Beispiel den hier:

„Auch ein ganz normaler Mensch kann unter außergewöhnlichen Bedingungen die Kontrolle verlieren.“

Fazit: Die Hulda-Trilogie hat mich völlig in den Bann gezogen und mich – als alte Islandliebhaberin – nach langer Zeit mal wieder zum Krimilesen oder Hören gebracht.

https://www.randomhouse.de/Paperback/NEBEL/Ragnar-Jonasson/btb/e567757.rhd

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