Smart Home Horror

Hinter den Türen eines Landhauses in den schottischen Highlands lauern Geheimnisse und ein Smart Home System, das ständig für feine Schauereffekte sorgt. Die Bewohner des Hauses werden auf Schritt und Tritt überwacht – und trotzdem bleibt das, was eigentlich vor sich geht, auf mysteriöse Weise verborgen. Fast könnte man denken, ein böser Geist treibe sich in Heatherbrae House herum …

Sandra und Bill Elincourt sind mit ihren vier Kindern aufs Land gezogen. Sie sind Architekten und haben ein denkmalgeschütztes Anwesen umgebaut und dabei bewusst auf Stilbrüche gesetzt: die alte Fassade wurde mit einem modernen Anbau ergänzt und natürlich eine Menge High Tech eingebaut. Alles, wirklich alles, wird computergesteuert – die Haustür, die elektrischen Geräte, das Licht, sogar der Kühlschrank spricht mit einem über die Einkaufsliste. Darüber hinaus hängen in jedem Zimmer und in jedem Winkel Kameras. Das wirkt paranoid, erklärt aber die Hausherrin Sandra mit der Angst um ihre Kinder, denn seit das Baby da ist, kann sie die anderen nicht immer im Auge behalten … Darum suchen die Elincourts ja auch nach einer Nanny, wieder einmal. Keine der Nannys scheint es lange bei ihnen auszuhalten, aber es ist ja auch schon recht abgeschieden, der schottische Landsitz.

„Wir sind eine quirlige sechsköpfige Familie und wohnen in einem wunderschönen (aber sehr abgelegenen!) Haus im schottischen Hochland. Vater und Mutter betreiben gemeinsam ein kleines Architekturbüro.“

Gesucht wird eine erfahrene Nanny mit hervorragenden Referenzen. Das Gehalt ist großzügig. Aber die Ansprüche sind auch dementsprechend hoch: Die Nanny wohnt im Haus und muss manchmal, wenn beide Elternteile geschäftlich unterwegs sind, die Kinder über mehrere Tage allein beaufsichtigen und agiert dann – so steht es in der Stellenanzeige: in loco parentis. Sie trägt die volle Verantwortung …

Als Rowan Caine die Stellenanzeige liest, muss sie nicht lange nachdenken. Die Abgeschiedenheit des Hauses, die hohen Ansprüche der Eltern, die Kinder – eins davon noch ein Baby, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung … das alles hält sie nicht davon ab, sich zu bewerben. Schon bald meldet sich Sandra bei ihr:

Seit dem Kauf von Heatherbrae haben wir Kenntnis bekommen von allerlei abergläubischen Vorstellungen, die sich um das Haus und seine Geschichte ranken. Zwar haben sich hier nicht mehr Todesfälle und Tragödien ereignet als in jedem anderen alten Gebäude auch, doch aus irgendeinem Grund waren die Ereig-nisse in unserem Haus Nährboden für so manche Spukgeschichte hier in der Gegend. Leider hat das unsere bisherigen Nannys derart beunruhigt, dass in den letzten vierzehn Monaten vier von ihnen gekündigt haben. (…) Sollten Sie nach wie vor Interesse an der Stelle haben, lassen Sie mich bitte wissen, wann Sie in der kommenden Woche für ein Vorstellungsgespräch zur Verfügung stehen.“

Rowan schreckt das nicht. Sie ist eine junge Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Sie ist nicht anfällig für Schauergeschichten. Als ausgebildete Erzieherin bringt sie die nötige Erfahrung mit. Und ihren Job bei den kleinen Strolchen ist sie leid. Sie absolviert ihr Vorstellungsgespräch – und obwohl eins der Kinder sie offensichtlich nicht ausstehen kann und das andere ihr rät, die Stelle auf keinen Fall anzunehmen, sagt Rowan zu, als Sandra ihr den Job anbietet.

Als Rowan wenig später auf Heatherbrae einzieht, überschlagen sich die Ereignisse: Sandra und Bill müssen beide für ein paar Tage aus geschäftlichen Gründen verreisen. Rowan wird ins kalte Wasser geworfen und muss die Verantwortung für Haus und Kinder übernehmen, dabei ist sie noch gar nicht richtig angekommen. Die Kinder machen ihr das Leben von der ersten Sekunde an schwer und im Haus geschehen merkwürdige Dinge …

„Hinter diesen Türen“ von Ruth Ware ist ein Thriller, der sich Zeit nimmt und mit subtilen Mitteln die Angst schürt. Von Anfang ist klar, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Aber aus welcher Richtung die Gefahr lauert, bleibt bis zum Schluss im Dunkeln. Hauptfigur Rowan, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert werden, trägt ebenso ein Geheimnis in sich wie alle anderen. Im Lauf der Zeit wirkt jeder Charakter verdächtig und auch mit den Kinder scheint „irgendetwas“ nicht zu stimmen …

Was für ein Psychoterror! Als Leserin bin ich mehrmals auf „falsche Spuren“ geführt worden. Aber die Auflösung am Ende ist dennoch plausibel. Mein Fazit: Düster, schaurig, spannend mit überraschenden Haken und einem überzeugenden Finale. Beste Unterhaltung!

https://www.dtv.de/buch/ruth-ware-hinter-diesen-tueren-26271/

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