Sehr wahrscheinlich Liebe

Ja, es ist ein Liebesroman. Ja, ich lese eigentlich gar keine klassischen Liebesromane. Ja, ich oute mich: Ich habe es doch getan. Und nun schon zum wiederholten Mal! Wie konnte das passieren? Vermutlich bin ich doch viel anfälliger für Trends, als ich dachte. Wie lange ist Bridgerton jetzt schon in den Netflix-Top-Ten? Wie oft habe ich das Cover von „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ auf Instagram gesehen? – Eben.

Also. Erst Bridgerton. Nun Ali Hazelwoods aktueller Roman. Dabei könnte der Kontrast zu Bridgerton nicht größer sein. „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ spielt in der Gegenwart. Vorbei sind die Zeiten von arrangierten Eheschließungen, Bällen und Debütantinnen. Wobei … Protagonistin Olive besitzt durchaus Merkmale einer Debütantin. Sie wird nicht wie die Bridgerton-Töchter in die gute Gesellschaft eingeführt, sondern in die elitären Kreise der Universität. In Stanford bewirbt sich Olive um eine Doktorandinnenstelle im Fach Biologie. Sie ist klug. Sie ist witzig. Aber ihr fehlt noch etwas Selbstvertrauen. Obwohl sie z. B. extrem schüchtern ist, ihre Forschungsergebnisse einer größeren Zuhörerschaft während eines Kongresses vorzustellen, ist sie keineswegs zu schüchtern, um sich einem wildfremden Mann an den Hals zu werfen, ihn zu küssen und ihrer Freundin vorzugaukeln, sie hätte eine Beziehung mit ihm.

Die Zutaten des Plots sind durchweg bekannt: Olive, eine liebenswerte Studentin. Adam Carlsen, brillianter Wissenschafter und Misanthrop. Die Student*innen haben nicht nur Respekt – sie fürchten ihn. Doch Olive knackt den Miesepeter in ihrer ganz eigenen (naiv authentischen) Art und Weise. Für sie ist es keine Liebe auf den ersten Blick. Aber vielleicht für Dr. Carlsen?

Bis die beiden zusammenkommen, dauert es ein paar Seiten. Verwicklungen, Irrungen und Wirrungen, die ich nicht alle ganz nachvollziehbar fand (wie gesagt: der Überraschungskuss passt eigentlich gar nicht zu Olive; die Anfangsstory mit den Kontaktlinsen erschloss sich mir auch nicht wirklich und der Grund, ihrer Freundin eine Beziehung vorzuspielen, ist auch nicht ganz einleuchtend …).

Trotzdem bin ich gut unterhalten worden. Der Schreibstil hatte ein paar Längen. Olive und Adam agieren etwas umständlich in Beziehungsdingen – aber okay, das war manchmal skurril und auch lustig zu lesen. Der Autorin habe ich außerdem den wissenschaftlichen Background der Protagonisten glaubhaft abgenommen. Endlich mal eine weibliche Hauptfigur, die in den MINT-Fächern brilliert. Etwas #metoo war auch dabei. Ich (die kaum Vergleiche heranziehen kann, aber am Expertinnenstatus arbeitet) würde meinen, dass es sich hier um eine der intelligenteren Liebesromane handelt.

Von daher: Daumen hoch für die Sonnenscheinlektüre mit Happy-Ende-Garantie!

Ali Hazelwood: Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe, 443, Rütten & Loening.

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