Bullet Train

Kino oder Buch? Das ist hier die Frage. Oder beides? Ich habe mich für 126 Filmminuten und 11 Stunden Hörbuch entschieden. Ich muss gestehen, dass ich erst durch das Buch auf den Film gestoßen bin. Mein Sohn hatte sich gewundert, warum ich über einem Buch ständig in Gelächter ausgebrochen bin. Als ich ihm die Story erzählte, meinte er, der Plot klinge wie ein Film, der gerade im Kino angelaufen sei … tja, ich habe mich also sehr beeilt, Bullet Train zu Ende zu bekommen, um dann nahtlos den Film anzuschließen.

Die Kritik zum Kinofilm ist ja sehr durchwachsen. Manche sehen Bullet Train als einen verunglückten Tarantino-Verschnitt. Zu überdreht, zu viel Blut, zu lang, zu nervig … ja, vielleicht. Aber die Romanvorlage war auch recht überdreht – und das liest oder hört sich überraschend gut.

Ich kann schon verstehen, warum es der Stoff von Kataro Isaka auf die Leinwand geschafft hat: mehrere Killer, die in einem japanischen Schnellzug aufeinandertreffen und um einen Koffer voller Geld streiten. Eine Menge Tote, aber auch eine Menge absurder Situationen, skurrile Mordmethoden, Wortwitz – vor allem die Traumdialoge zwischen dem Killer-Duo Tangerine und Lemon. Süß und sauer. Gegensätzlicher könnten sie nicht sein und doch gehören sie zusammen wie Yin und Yang. Der eine liebt Literatur und schwärmt von Virginia Woolf, der andere von Thomas, der Lokomotive und seinen Freunden. Zu fast jeder Situation findet Lemon eine passende Lokomotiven-Allegorie.

Lemon ist es, der den Geldkoffer nicht mit ins Abteil nimmt, sondern in der Gepäckablage zurücklässt, weil er das für unauffälliger hält. Und schon ist der Koffer weg. Und nicht nur das. Das Geld im Koffer gehört einem berüchtigten Gangsterboss. Dessen Sohn wurde gekidnappt. Tangerine und Lemon haben ihn („Papas Liebling“) befreit, mal eben alle Entführer getötet (13 an der Zahl!) und sollen nun sowohl Geld als auch Sohn nach Hause zurückbringen. Aber die beiden sind vom Pech verfolgt: Der Sohn stirbt im Zug, der Geldkoffer ist weg und zu allem Überfluss müssen sie feststellen, dass sie nicht die einzigen Profikiller an Bord des Shinkansen sind.

Noch einmal zum Mitschreiben:

Da gibt es also die Zitrusfrüchte (Lemon und Tangerine) und den Maikäfer/Ladybug – was sie nicht wissen: Sie alle sind von ein und derselben Person angeheuert. Und dann ist da noch der „Prince“, ein mordlustiger Pennäler, der seine eigenen Interessen verfolgt. Er hat es scheinbar auf den Gangsterboss abgesehen, dazu lockt er Kimura in den Zug und erpresst ihn. Doch mit Kimura ist er an den Falschen geraten …  ach ja, nicht zu vergessen, dass auch noch andere Killer mit kuriosen Decknamen dazwischenfunken!

Mein Fazit

„Ein außergewöhnlicher, moderner“ Thriller aus Japan – heißt es in der Buchbeschreibung. Ja, der Roman ist anders als andere Thriller, nicht nur anders als die japanischen. Der Kinofilm kann dem Buch nicht ganz gerecht werden, aber ich habe mich trotzdem köstlich amüsiert. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film super besetzt (Ryan Reynolds taucht für nicht einmal eine Minute auf, Sandra Bullock erst am Ende, als alles in Schutt und Asche liegt…). Brad Pitt ist Brad Pitt, aber vor allem Aaron Taylor-Johnson und Brian Tyree Henry als Tangerine und Lemon sind großartig. Der Soundtrack passt hervorragend und mildert das brutale Gemetzel etwas, mein Liebling: I´m Forever Blowing Bubbles. Und dass die Figur des Prince verändert wurde, kann ich gut nachvollziehen – die Idee kam mir beim Lesen auch schon (aber ich will an dieser Stelle auf keinen Fall zuviel verraten…).

Daumen hoch für das Duo: Buch und Film.

Trailer und mehr Infos zum Kinofilm

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