Subutex 2

Den zweiten Teil der Trilogie um Vernon Subutex konnte ich – weil ich ja mit dem ersten Teil ziemlich spät dran war – nahtlos anschließen. Und so hat es sich Virginie Despentes auch gedacht: Ohne zeitliche Verschiebung geht die Geschichte genau dort weiter, wo der erste Teil aufhört. Der ehemalige Plattenladeninhaber Vernon lebt auf der Straße. Seine Lieblingsparkbank liegt in den Buttes Chaumont (ein Park, der auf dem Gelände eines Steinbruchs am Rande der ehemaligen Müllkippe von Paris angelegt wurde, na, wenn das nicht der passende Ort für Vernon und seine Gefolgschaft ist). Eine Parallelwelt. Vernon spürt den körperlichen Verfall, während sein Geist sich in die Situation fügt und eine gewisse Lethargie und Antriebslosigkeit sich einstellen.

„Er richtet sich auf und streckt sich. Sein Körper ist schwer. Er denkt an ein richtiges Bett. An ein warmes Bad. Aber nichts bleibt hängen. Er pfeift darauf. Ihn erfüllt nur ein Gefühl der absoluten Leere, die ihn erschrecken sollte, das begreift er noch, dies ist nicht der richtige Moment, sich gut zu fühlen, aber in ihm herrscht eine stumme, fade Ruhe.“

Während Vernon sich immer mehr in sich zurückzieht, haben seine Freunde – der bunte Menschenreigen aus Teil eins mit Pamela Kant, Sylvie, Patrick, Xavier, der Hyäne und anderen – nicht aufgehört, nach ihm zu suchen. Durch einen Hinweis finden sich alle, auch Vernon,  im Café Rosa Bonheur am Park ein – dieser Ort wird zu einer Art Hauptquartier. Dort lüften sie gemeinsam das Geheimnis um die Tonaufnahmen des verstorbenen Popstars Alex Bleach. Dadurch wird eine neue Dynamik in Gang gesetzt, die zum Beispiel die junge Muslimin Aïsha erfasst, die im ersten Teil der Geschichte von der Pornokarriere ihrer Mutter erfahren hatte, nun von der Liebe zwischen ihr und Alex Bleach hört und davon, dass er den Filmproduzenten Dopalet für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht. Es gibt noch mehr Frauen, die eine Rechnung mit Dopalet offen haben – ihn für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen, ist einer der Fäden, aus dem die Geschichte gewebt ist.

Daneben treten neue Figuren auf, z.B. Charles, der im Lotto gewinnt, dies aber vor seiner Frau verschweigt. Er möchte weiterleben wie bisher, nur etwas besser – wie wohl sein Schicksal mit dem der anderen verbunden ist? Da muss ich nun leider bis September warten, denn dann erscheint der Abschluss der Trilogie. Ich bin gespannt.

Virginie Despentes: Vernon Subutex 2, Kiwi-Verlag, Februar 2018, 400 Seiten.,

Rezension im Deutschlandfunk

Rezension im Tagesspiegel

PS: Wenn man Subutex 2 googelt und eigentlich nach Rezensionen zum Buch sucht, führt einer der vielen Links auch direkt zur Apotheker Umschau und einem Medikament, das Drogenabhängigen beim Entzug verschrieben wird. (…)

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