Der Kaninchen-Faktor

Die Nummer 1 in Finnland. So steht es auf dem Cover. Darauf springe ich natürlich sofort an. Das ist Marketing. Nicht immer, aber oft, halten solche Ankündigungen nicht, was sie versprechen. Aber die ersten Seiten – die Leseprobe, die ich immer nutze – haben mein Interesse geweckt.

Hier kommt also ein weiterer finnischer Roman in meiner nordischen Reihe.

Henri ist Versicherungsmathematiker. Er kennt sich aus mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten. Er liebt Statistiken, die ihm im Job, aber auch im Privaten ein sicheres Gerüst liefern, an das er sich halten kann. Dann führt sein Chef Teambuilding- und allerhand „Feel-Good-Maßnahmen“ ein. Dafür ist Henri nicht geschaffen. Henri verliert seinen Job. Von heute auf morgen bricht sein sicheres Koordinatensystem zusammen.

Aber er hat keine Zeit, seinem alten Leben hinterherzutrauern. Sein Bruder ist gestorben und hat ihm einen Abenteuerpark vererbt. Leider wirft der Park trotz guter Eintrittzahlen keinen Gewinn ab. Henri prüft die Bücher, verschafft sich ein Bild von den Mitarbeitenden und stößt auf einige Ungereimtheiten. Das Gefühl, dass mit dem Abenteuerpark irgendetwas ganz und gar nicht stimmt, verstärkt sich – und wird bestätigt, als ein zwielichtiger Mann Henri auflauert und ihn versucht zu töten.

Ziemlich schnell wird Henri klar, dass er nicht nur den Park, sondern auch die Schwierigkeiten, in denen sein Bruder steckte, geerbt hat. Sein Bruder hatte Spielschulden. All das, was der Park umsetzt, fließt direkt an einen Kriminellen, der den Zins ständig erhöht und nicht zimperlich ist, wenn man seinen Forderungen nicht nachkommt. Er geht buchstäblich über Leichen. – Henri aber auch. Die erste Leiche, die auf sein Konto geht, versteckt er in einer Tiefkühltruhe des Parks. Leider wird der Tote auch von Polizei gesucht. Ein eifriger Kriminalkommissar rückt Henri zuleibe. (…)

Henri durchlebt eine große Entwicklung: Vom zurückgezogenen Mathe-Nerd verwandelt er sich zu einem mutigen Helden. Nicht nur, dass er den Park wieder zum Laufen bringt und die Belegschaft auf Kurs, er setzt sich auch erfolgreich gegen seine Verfolger durch und trifft nebenbei die Liebe seines Lebens.

Humor, Krimi, Liebe. Ein Mix. Ein bißchen Rosie-Projekt (Henri ist nicht ganz so wie Don Tillmann, aber er hat mich an ihn erinnert!). Herausgegkommen ist eine leichte Wochenendlektüre.

Die Nummer 1 aus Finnland? Tatsächlich waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Doch zwischendurch hätte mich Antti Tuomainen fast verloren. Manchmal haben sich die Probleme viel zu einfach in Luft aufgelöst. Ich hätte auch noch so manchen Plott-Twist erwartet: Ich dachte bis zum Schluß, dass der Bruder seinen Tod nur vorgetäuscht hat, um der Erpressung zu entkommen. Aber wirkliche Überraschungen gab es nicht. SEHR vorhersehbar das Ganze.

Dabei war der Anfang so stark. Die Geschichte beginnt nämlich mit einer wilden Verfolgungsjagd. Henri muss fliehen. Er hat keinen blassen Schimmer vor wem. Aber am Ende dieser Jagd ist ein Mensch tot. Spannend zu beginnen ist nie verkehrt. Kurioses Detail: Der Täter ist ein Kaninchen. Oder das Ohr eines Kaninchens.

Manchmal reicht es, ein paar Szenen einer Geschichte umzustellen, dann gewinnt die Story an Fahrt. Wäre die Geschichte am Anfang linear erzählt, hätte die Leseprobe mich vermutlich nicht überzeugt.

Der Kaninchen-Faktor wird überall sehr gelobt, geradezu überschwänglich. Mainstream eben. Schlecht war der Roman sicher nicht. Eine kurzweilige Unterhaltungslektüre für zwischendurch.

Antti Tuomainen: Der Kaninchen-Faktor, Rowohlt Verlag, 352 Seiten.

… auch als Hörbuch bei Audible. (Angenehm gelesen von Peter Lontzek)

Buchbesprechung des Romans bei NDR

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