Laufen

Laufen ist der zweite Roman von Isabel Bogdan. Er handelt von einer Frau, die nach dem Suizid ihres Lebenspartners beginnt, regelmäßig zu joggen und durch das Laufen allmählich zurück ins Leben findet.

Damit ist auch schon alles gesagt. Ist das nun genial, dass man die Geschichte so präzise und knapp auf den Punkt bringen kann? Vielleicht ist es das. Die ersten Seiten haben auf Anhieb mein Interesse geweckt. Ich erkannte mich vor allem in den ersten Laufversuchen der Protagonistin wieder, als sie versucht, gegen ihren inneren Schweinhund anzulaufen. Und darum haben mich auch die ersten Sätze sofort angesprochen:

Ich kann nicht mehr. Das ist natürlich Quatsch, ich bin gerade erst losgelaufen…

Wunderbar! –  – Die Gedanken der Hauptfigur, die zu Sätzen werden, atemlos, knapp, mit vielen Kommas nur locker voneinander getrennt, wenig Punkte, dazwischen wird geatmet. Ich mag Isabel Bogdans Spiel mit Sprache, vor allem im Anfangsteil konnte sie damit bei mir punkten – später ließ die Kraft der Sprache – im „Lauf-Rhythmus“ – dann nach, was natürlich auch dem Lauftraining der Protagonistin geschuldet war (aber dann wurde es auch gleichförmiger…).

Was treibt die Hauptfigur an und um? Schmerz, Trauer, auch Wut und Scham – all das sind sehr nachvollziehbare Empfindungen, wenn der Partner sich das Leben nimmt.  Trotzdem konnte ich die Hauptfigur nicht wirklich fassen – Wer ist diese Frau, deren Mann an Depressionen litt? Wer ist die Person, die das Laufen zu ihrer Strategie der Trauerbewältigung werden lässt?

Ihre Geschichte ist auf 208 Seiten geradlinig nach vorn erzählt. Wie eine Läuferin Anfang und Ziel ihrer Wegstrecke absteckt, so scheint Isabel Bogdan den Rahmen ihrer Geschichte abgesteckt zu haben: geradlinig, knapp, präzise, schnörkellos – beim Laufen setzt man eben auch nur einen Fuß vor den anderen und tänzelt nicht herum, schlägt keine Haken, die unnötig Enerige verbrauchen.

Die Kritiken für Laufen sind – soweit ich das beurteilen kann – sehr positiv ausgefallen, vor allem wird in den Artikeln und Rezensionen hervorgehoben, dass sich Isabel Bogdans zweiter Roman so sehr vom ersten unterscheidet. Das stimmt. In Sprache und Themenwahl könnten beide Geschichten nicht weiter auseinanderliegen. Aber ich vermisse den feinen Humor, die leicht schräge und skurrile Note, die es im ersten Roman gab.

Fazit: Ich bin schnell gestartet, habe dann aber hintenraus die Puste verloren und hätte fast vor dem Ziel noch aufgegeben. Laufen ist ein ernstes Buch aus der Kategorie Trauerbewältigung – leider ohne Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen.

Isabel Bogdan: Laufen; Kiwi 2019, 208 Seiten.

Zeit online: Ein rasendes Requiem – Rezension zu Laufen.

Spiegel online: Takis Würger interviewt Isabel Bogdan.

Isabel Bogdan

NDR Kultur: Starkes Trauer- und Trostbuch.

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