Bücher verderben nicht, oder?

Es gibt Zeiten, da lese ich wenig. Warum?

Es ist zu heiß zum Lesen. Ich habe keine Zeit zum Lesen. Oder vielleicht habe ich doch einfach nicht die richtige Lektüre? Es gibt viele Gründe, warum ich manchmal nicht zum Lesen komme. Mittlerweile schaffe ich auch nur deshalb ein paar der Bücher, die ich unbedingt kennenlernen möchte, weil ich sie nicht lese, sondern höre. Und hören kann ich sie, wenn ich im Auto unterwegs bin, mit dem Hund im Wald spaziere oder aufräume. Ich nutze mittlerweile jede freie Zeit zum Hören von Hörbüchern. Meinem Stapel ungelesener Bücher kommt das nicht zugute. Aber nun wird alles anders. Ich habe Ferien. In den Ferien wird es doch wohl möglich sein, ein paar Bücher zu lesen, oder?

Das Problem mit den Büchern: Es sind so viele. Ich habe gerade das Bücherregal sortiert und dabei sind mir viele Bücher in die Hände gefallen, die ich nicht gelesen habe. Bücher werden nicht schlecht – sie verderben nicht wie Milch oder Brot. Wenn ich aber den Stapel Bücher sehe, den ich mir erst gestern wieder zugelegt habe (siehe Foto!), dann gilt mein Interesse immer der „Neuware“. Die „alten“ Bücher müssen eben noch länger warten. Aber bis wann? Spare ich sie mir für schlechte Zeiten auf oder für den Ruhestand?

Was macht Ihr mit Büchern, die schon lange darauf warten, gelesen zu werden?

Gerade lese und höre ich mehrere Romane parallel. All die Bücher, die Ihr hier auf den beiden Fotos seht, möchte ich gern im Sommer noch auf diesem Blog vorstellen. Aber ich komme nur minimal voran. Die Aosawa-Morde (ohne Bild) ziehen sich quälend lang, dabei habe ich mich so auf diesen japanischen Bestseller gefreut. Manchmal springt der Funke nicht über. Das muss nicht immer am Buch liegen. Vielleicht ist es der falsche Stoff zur falschen Zeit.

Genug des Jammerns! Ich bin hoch motiviert, meine gestrige Bücherbeute schleunigst zu verschlingen. Darum mein Fahr- oder vielmehr Leseplan für die nächsten zwei Wochen:

Heike Geißler: Die Woche

„Dies ist der Roman einer ungewöhnlichen Woche in Leipzig, in der auf Montag nicht mehr Dienstag folgt, alte Sicherheiten verloren gehen und neue Formen des Sprechens und Handelns erprobt werden – in Übertreibung, Abschweifung, Torheit und Spiel. Es ist ein luzider Kommentar auf unsere Gegenwart, ein Plädoyer für Spaß, klugen Protest und das Ringen um Lebendigkeit.“

Bei manchen Amazon Rezensenten als „Tristesse“ verrissen ist mir dieses Buch zunächst durch das auffällige Cover aufgefallen. Und die ersten Seiten hatten mich sofort. „Wir sind dumm, doof und dämlich.“ Mit diesen Worten fängt der Roman an – das fand ich erfrischend. Ich mag die kurzen Sätze, die unverblümte Rede, die Überraschungen: „Wir schaufeln uns immer ein Grab. Wir hören damit irgendwann auf. Darauf freuen wir uns schon. Wir sind die proletarischen Prinzessinnen.“ Ich habe erst begonnen, aber ich hoffe, dass „Die Woche“ mich bis zum Ende mitnimmt. Wenn das geschieht, gibt es hier noch eine ausführliche Leseempfehlung.

Hernan Diaz: Treue

Hernan Diaz ist mein Jahrgang – aber was hat er nicht alles erreicht? Sein erster Roman „In der Ferne“ (2018) war bereits u. a. für den Pulitzer Preis nominiert. Und nun sein zweiter großer Wurf, der mein erster Roman von ihm ist: Treue.

„Am Anfang steht das Geld. Und ein Mann, der es zu vermehren versteht wie kein Zweiter. In der schillernden New Yorker Finanzwelt der 20er-Jahre wächst Benjamin Rasks Vermögen ins Unermessliche. Aber erst seine Ehe mit der geheimnisvollen Helen gibt seinem Leben Sinn. Bald vibriert die ganze Stadt vor Gerüchten um das enigmatische Paar, und mit der Zeit beginnen die vielen Erzählungen die Wahrheit über die Eheleute zu verschleiern. Bis sich eine unerwartete Stimme in dem Gewirr Gehör verschafft.
„Treue“ ist ein fulminantes Spiel mit dem Leser, eine vierteilige Matroschka, deren Kern den großen amerikanischen Mythos des Kapitals für immer verändert. Was als klassischer Roman über Macht und Männer beginnt, gipfelt in einer provokanten und hochmodernen Geschichte der Emanzipation.“

Hernan Diaz spricht über seinen Roman Trust in der Late Night Show mit Seth Mayer. Das Interview macht Lust aufs Lesen. Die amerikanische Originalausgabe ziert auf dem Cover ein Wolkenkratzer unter einer Glasglocke (…ist es das Rockefeller Center in New York? Ich meine ja…). Trust/Treue handelt vom Geld bzw. von den Menschen und wie sie zu Geld gekommen sind. Wie ein Puzzle setzt sich die Handlung zusammen aus „different voices“ und zwar männlichen und weiblichen. Vielleicht geht es etwas in die Richtung von „The Wolf of Wall Street“? Ich weiß es (noch) nicht. Aber Hernan Diaz scheint sich mit dem großen amerikanischen Traum zu beschäftigen.

Alina Bronsky: Schallplattensommer

Ein Jugendroman. Oder Coming of age? Keine Ahnung. Ich kann noch nicht sagen, ob es für mich diese Einordnung braucht. Was ich weiß: Schönes Cover. Eine Autorin, die für gute Bücher bekannt ist (einige von ihr habe ich hier bereits vorgestellt) und eine Hauptfigur, die Maserati gerufen wird – braucht es mehr, um ein Buch mit nach Hause zu nehmen? In meinem Fall nicht. Obwohl ich auch gespannt bin, ob meine Tochter das Buch ebenfalls lesen und was sie dazu sagen wird, denn sie scheint genau zur Zielgruppe zu gehören, die der Verlag – oder/und die Autorin – im Visier haben.

„Als einziges Mädchen im Umkreis von 13 Kilometern ist Maserati Aufmerksamkeit gewohnt. Dabei will sie nur eines: Den Feriengästen selbstgemachte Limonade ihrer Oma servieren und die Tage bis zur Volljährigkeit zählen. Mit der Liebe will sie nichts zu tun haben – und schon gar nichts mit den Annäherungsversuchen der Söhne der reichen Familie, die gerade die Villa im Dorf gekauft hat. Doch dann stellen Caspar und Theo verbotene Fragen: Warum hat Maserati kein Smartphone? Wovor hat sie solche Angst? Und wie kann es sein, dass ihr Gesicht das Cover einer alten Schallplatte ziert? Plötzlich steckt Maserati bis zum Hals in Geheimnissen zweier Familien und im eigenen Gefühlschaos.“

So, von mir war es das für heute. Ich gehe jetzt lesen. Nächstes Mal gibt es wieder eine komplette Buchrezension von mir. In diesem Sinne: Genießt den Sommer!

… und diese Bücher stehen noch in der Warteschlange:

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